Das Prostatakarzinom schonend zu zerstören und gleichzeitig die umliegenden Organe und körperlichen Strukturen zu schützen und mit ihren Funktionen für die Potenz und Kontinenz soweit wie möglich zu erhalten – das ist das vorrangige Ziel einer Behandlung mit TULSA. TULSA steht dabei für Transurethrale ULtraSchall Ablation der Prostata. Die Behandlung mit diesem Verfahren erfolgt unter MRT-Kontrolle und somit in einem MRT-Untersuchungsraum und nicht in einem Operationssaal.

TULSA ist ein Akronym für Transurethrale ULtraSchall Ablation der Prostata und beschreibt zugleich ihren Ablauf.

TULSA ist ein Akronym für Transurethrale ULtraSchall Ablation der Prostata und beschreibt zugleich ihren Ablauf.

Transurethral steht für „durch die Harnröhre“.
Diese ist eine natürliche Körperöffnung was bedeutet, dass die Behandlung ohne Schnitt durchgeführt wird.

Ultraschall sind Schallwellen, die sich mit Frequenzen bewegen, die höher sind als der obere Bereich dessen, was ein Mensch hören kann. Schallwellen können verwendet werden, um Wärme im Gewebe zu erzeugen.
Während das TULSA-Verfahren durchgeführt wird liegt der Patient in einem MRT-Gerät, und der Arzt kann von Anfang bis Ende in Echtzeit sehen, was während der Behandlung passiert. Dies ermöglicht dem Arzt, einen Behandlungsplan zu erstellen, der auf den individuellen Bedürfnissen jedes einzelnen Patienten basiert, und kontrolliert die Behandlung mit einer MRT-Überwachung in Echtzeit.

Ablation bedeutet Gewebe zu zerstören.
Beim TULSA-Verfahren wird Ultraschall verwendet, um Gewebe auf eine bestimmte Temperatur zu erhitzen, bei der Zellen absterben. Eine Krebszelle bis zum “Zelltod” zu erhitzen bedeutet, dass sie keine Zellfunktionen mehr ausführen kann. Ein Ultraschall-Applikator, der zehn Behandlungselemente enthält, wird unter Narkose in die Harnröhre eingeführt. Die Behandlungselemente fokussieren die Ultraschallenergie auf die Bereiche der Prostata, die der Arzt entschieden hat zu behandeln.

Prostatakrebs: TULSA Therapie

Die Prostata wird direkt von innen heraus behandelt.
Diese einzigartige Behandlungsrichtung bedeutet, dass die Ultraschallenergie nicht durch das Rektum oder andere wichtige Körperstrukturen fließen muss, um die Prostata zu erreichen. Dies ist ein wesentlicher Vorteil von TULSA, da es das umliegende gesunde Gewebe und die umliegenden Nerven schont. Dies bedeutet auch, dass der Arzt größere Prostata behandeln und 360 Grad der Prostata erreichen kann.

Sie erfolgt innerhalb der Prostata und schont das umliegende gesunde Gewebe und die naheliegenden Nervenstränge. Zudem wird nur unmittelbar die Prostata behandelt, die über die Harnröhre und nicht über ein anderes Organ erreicht wird. Je nach Ausprägung wird dabei ein Viertel, die Hälfte oder die ganze Prostata mit Ultraschall therapiert. Das verkochte Gewebe wird vom Körper über das Blut abgebaut.

Therapie bei Prostatakrebs

Wie lange dauert eine Behandlung?

Das Verfahren wird an einem Tag in einer Sitzung durchgeführt. Die Behandlung erfolgt in der Regel unter Vollnarkose und dauert wenige Stunden.

Nach der Behandlung kann der Arzt entscheiden den Patienten eine Nacht stationär zur Beobachtung zu belassen oder der Patient kann am selben Tag nach Hause gehen.

Was sind die möglichen Vorteile für TULSA Patienten?

  • Klinische Studien haben gezeigt, dass bei einer TULSA Behandlung die erektile Funktion, als auch die Harnfunktion bei den allermeisten Patienten erhalten bleibt; dies ist für andere Behandlungsmethoden nicht der Fall. Ob der Patient nach einer TULSA Behandlung weiterhin ohne Einschränkung mit seiner Partnerin / seinem Partner intim sein kann, hängt von vielen Faktoren ab, so auch wesentlich vom Krankheitsfortschritt bzw. dem Krebsstadium und der Lokalisierung des Tumors. Das Verfahren ist in der Regel sehr verträgliches und eröffnet Patienten die Chance, auch nach der Prostatakrebs-Behandlung ein normales Leben mit hoher Lebensqualität zu führen.
  • Das TULSA-Verfahren ist minimal invasiv. Es gibt keine chirurgische Entfernung der Prostata, stattdessen wird sie lokal (noch innerhalb des Körpers) ohne Einschnitte behandelt.
  • Das TULSA-Verfahren verwendet keine ionisierende Strahlung, wie dies bei der Strahlentherapie der Fall ist.
  • Klinische Studien haben gezeigt, dass benachbarte Organe wie das Rektum vom TULSA-Verfahren nicht betroffen sind. Die hoch entwickelte Technologie leitet die Ultraschallenergie genau auf die Bereiche der Prostata, die der Arzt behandeln möchte und schützt gleichzeitig aktiv die nicht zu behandelnden Bereiche.
  • Das TULSA-Verfahren ermöglicht eine individuelle Anpassung der Behandlung an den Tumor des Patienten. Je nachdem, ob der Tumor nur in einem kleinen Teil, in der Hälfte oder in der gesamten Prostata vorhanden ist, ist es möglich, nur den betroffenen Bereich mit einem geeigneten Sicherheitsrand zu behandeln.
  • Nach einem TULSA-Eingriff wird der Patient in der Regel am selben Tag oder am nächsten Tag in Abhängigkeit von der Einschätzung des Arztes aus dem Krankenhaus entlassen.

Die zentralen Vorteile einer TULSA-Behandlung im Überblick

  • Prostatakrebs ist nicht in allen Patienten gleich und wird von Ärzten oft als „multifokale“ Erkrankung bezeichnet, das heißt: Bei vielen Männern ist nicht nur ein größerer Tumor vorhanden, sondern mehrere kleinere Tumoren, die nicht so leicht mit bildgebenden Methoden zu erkennen sind wie ein großer Tumor. Die TULSA Behandlung ist flexibel, weil der Arzt die Behandlung anpassen und entweder einen kleinen Teil der Prostata (fokale Therapie) oder die gesamte Prostata (Ganzdrüsentherapie) behandeln kann.
  • Die Größe der Prostata ist nicht bei allen Patienten gleich. Die Behandlung mit TULSA kann auch an einer großen Prostata durchgeführt werden. Während andere Ablationsverfahren an eine bestimmte Größe der Drüse gebunden sind und ggf. im Vorfeld eine Transurethrale Resektion der Prostata (TURP), also eine operative Verkleinerung voraussetzen, kommt die TULSA Therapie ohne TURP aus. Das TULSA-Verfahren wurde bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs mit einer Prostata bis zu 95 Gramm durchgeführt.
  • TULSA kann zudem bei einer Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie BPH) eingesetzt werden oder bei Prostatakrebs als Nachbehandlungsoption dienen, wenn der Erfolg einer Strahlentherapie ausgeblieben ist.
  • TULSA ist eine präzises Verfahren weil es auf der Kombination von Ultraschall und Magnetresonanztomografie basiert. Während des Eingriffs werden MRT-Bilder der Prostata des Patienten aufgenommen. Der Arzt verwendet diese Bilder, um den Behandlungsbereich zu bestimmen und präzise zu planen. Während des Eingriffs kann der Arzt den Behandlungsbereich mithilfe von MRT-Echtzeitbildern nachjustieren. Mit dem Ultraschall wird entweder ein begrenzter Bereich oder die gesamte Prostata abgetragen. Das MRT liefert auch während des Verfahrens alle paar Sekunden genaue Temperaturmessungen. Diese Kombination von Technologien ermöglicht eine sanfte, kontrollierte und automatisierte Ablation der Prostata mit einem hohen Grad an Präzision und Sicherheit.
  • Gleichzeitig erfolgt eine kontinuierliche urethrale und rektale Kühlung des empfindlichen Gewebes, um so langfristige ungewollte Therapiefolgen zu minimieren.
  • TULSA nutzt intelligente Robotertechnik, die den transurethralen Ultraschallaplikator präzise linear und rotatorisch dreidimensional steuern. Veränderungen im Bereich der Prostata während der Behandlung werden automatisch erkannt und kompensiert.
  • Die Behandlung mit TULSA-PRO erfolgt minimal invasiv, das heißt ohne Einschnitt oder offene chirurgische Verfahren. Die meisten Patienten erholen sich nach eine TULSA Behandlung schnell und können nach wenigen Tagen wieder in ihren normalen Alltag zurückkehren.
TULSA Therapie bei Prostatakrebs
Prostatakrebs: Hohe Präzision wichtig bei TULSA Therapie
Analyse / TULSA Behandlung bei Prostatakrebs

Welche Risiken sollte ich kennen?

Wie bei allen medizinischen Verfahren ist auch eine TULSA Behandlung mit Risiken verbunden. Klinische Studien zur Sicherheit der medizinischen Anwendung zeigten ein gutes und verträgliches Nebenwirkungsprofil mit geringen oder keinen Auswirkungen auf die Harn-, Erektions- und Darmfunktion nach zwölf Monaten.

Nach einer TULSA Behandlung besteht auch das Risiko, dass noch ein Rest an Prostatakrebs verbleibt. Eine Behandlung mit TULSA schließt jedoch eine Standardtherapie in Zukunft nicht aus, wie zum Beispiel die radikale Prostatektomie (Operation) oder eine Strahlentherapie.

Bitte konsultieren Sie einen Arzt in einem TULSA-Behandlungszentrum, um zu erfahren, ob diese Behandlung für Sie geeignet ist und welche Risiken mit dem Eingriff verbunden sind.

Studien und Evidenz

TULSA wurde in der präklinischen Phase seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv untersucht, um seine Wirksamkeit zu bestimmen. Im Folgenden sind die zwei jüngsten klinischen Studien zu TULSA aufgeführt.

  • Bei den Patienten dieser Studie ging der PSA Wert nach einer Behandlung mit TULSA um 87% zurück und blieb in der Nachsorge über die 36 Monate stabil.
  • Im Vorfeld der Behandlung berichteten 21 von 30 Patienten, sie hätten für Geschlechtsverkehr ausreichende Erektionen. Nach einer TULSA-Behandlung und einem zwölfmonatigen Nachsorge-Zeitraum waren es 20 von 29 Patienten.
  • Zwölf Monate nach der Behandlung waren 30 von 30 Patienten einlagenfrei kontinent und 29 von 30 Patienten hatten keinerlei Probleme mit Inkontinenz.

Preserving Erectile Function

Prostatakrebs: Gefahr von Erektionsstörungen und Impotenz

Preserving Urinary Continence

Prostatakrebs: Gefahr von Inkontinenz

  • TACT ist eine laufenden Studie an über 115 Patienten, bei denen bis Januar 2018 die Behandlungen abgeschlossen wurden. Kürzlich erste Zwischenergebnisse der Studie publiziert, die eine Reduktion des Median PSA-Wertes um 95% zeigen.
  • Die Nachsorge im Rahmen dieser Studie läuft noch, und statistisch belastbare Daten zur Lebensqualität liegen derzeit noch nicht vor.

Wo wird die TULSA-Behandlung angeboten?

Hier finden Sie finden die Behandlungszentren.

Für welche Patienten kann eine TULSA Ultraschall-Behandlung in Frage kommen?

Patienten mit einem Prostatakarzinom mit niedrigem bis mittlerem Risikograd können vom TULSA-Verfahren profitieren.

Das TULSA-Verfahren wurde für Patienten mit lokalisierten Tumoren (Krebs, der auf die Prostata beschränkt ist) entwickelt und wurde bei Patienten mit Gleason-Score 6 und 7 in klinischen Studien untersucht.

Referenzen

  1. Joseph Chin, Michele Billia, James Relle, Matthias Roethke, Ionel Popeneciu, Timur Kuru, Gencay Hatiboglu, Maya Mueller-Wolf, Johann Motsch, Cesare Romagnoli, Zahra Kassam, Christopher Harle, Jason Hafron, Kiran Nandalur, Blaine Chronik, Mathieu Burtnyk, Heinz-Peter Schlemmer, Sacha Pahernik. MAGNETIC RESONANCE IMAGING-GUIDED TRANSURETHRAL ULTRASOUND ABLATION OF PROSTATE TISSUE IN PATIENTS WITH LOCALIZED PROSTATE CANCER: A PROSPECTIVE PHASE 1 CLINICAL TRIAL. European Urology, 70(3), 2016.
  2. Laurence Klotz, David Penson, Joseph Chin, Christian Pavlovich, James Relle, Michael Koch, Gencay Hatiboglu, Aytekin Oto, Jurgen Futterer, Steven Raman, Yair Lotan, Thorsten Persigehl, Axel Heidenreich, Jose Francisco Suarez, Robert Staruch, Mathieu Burtnyk, Alan Pantuck, JP Sedelaarm Sandeep S. Arora, Gregory Zagaja, Temel Tirkes, Katarzyna Macura, David Bonekamp, Masoom Haider, Scott Eggener. LBA20 MRI-GUIDED TRANSURETHRAL ULTRASOUND ABLATION (TULSA) IN PATIENTS WITH LOCALIZED PROSTATE CANCER: PRELIMINARY RESULTS OF TACT PIVOTAL STUDY. The Journal of Urology, 199(4):e1077-e1078, 2018.

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